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Gestern war wohl einer der vielen togolesischen Feiertage - jedenfalls hatte das Internetcafé am Morgen zu. Und nachmittags war das Internet dann so verdammt langsam, dass ich fast ausgeflippt waere. Naja, ich befinde mich eben in Afrika.
Was noch so passierte:
Ich verpeilte ein wenig meinen Besuch (ein Freund einer Bekannten, der mal in Deutschland studiert hat und in Lomé lebt) und fuehlte mich auch im Generellen mit der togolesischen Mentalitaet etwas ueberfordert.
Da nahm ich dann also meinen Discman, droehnte mich mit Terrorgruppe-Musik zu und lief ganz klischeewesteuropaeisch-ignorant die Strasse entlang. Getreu dem Motto "Ihr koennt mich alle mal mit euren hyperinteressierten Blicken und platten Spruechen", sehnte ich mich ein bisschen nach dem individuellen Ignoranzleben der Menschen im Wohlfahrtsstaat.
Doch am Abend wurde alles wieder gut...
1.9.06 16:19


H-I-L-F-E

hach, ich fuehle mich ja hier so isoliert von jeglichem, politischem weltgeschehen.

da registriert man dann eben noch, dass uwe leichsenring gestorben ist, sich eine burschenschaft in chemnitz so langsam aufloest und es wieder irgendwo gammelfleisch zu kaufen gab.

die ersten beiden dinge moechte ich jetzt hier und heute wirklich nicht kommentieren, aber zu dem totes-tier-essen-thema kann ich euch nur eines empfehlen: ihr muesstet mal das fleisch auf dem markt von kpalimé sehen. das liegt dort stundenlang in der prallen hitze der afrikanischen sonne und stinkt. ein grund mehr fuer ein vegetarierInnendasein.

bon, bon, eine erkenntnis hat mich dann doch noch ziemlich ueberrascht: ich bin anscheindend doch in der morgenpost gelandet. wortwoertlich zitiert.
nun ja, da habe ich wohl die schnelligkeit und unkreativitaet des besagten blattes unterschaetzt...
8.9.06 16:25


Weil heute nicht gestern ist

" Am Ende des alten Seils dreht man das Neue.
Du pflanzt an einem Ruhetag, doch der Blitz bewahrt in seinem Bauch die Sprache.
Der Tau auf dem Gras benetzt eure Beine nicht, wenn ihr hinter einem Elefanten geht."

Hallo ihr Lieben,

anbei sende ich euch endlich wieder ein paar Informationen ueber das Leben- nd Lebenlassen in Togo. Mensch beachte auch die meine neue, sich am Ende des Textes befindliche Telefonnummer.

Beginnen wir also mit dem Alltag - Beginnen wir mit dem Fernsehen:

Der Fernseher laeuft auch hier in Togo fast den ganzen Tag. Zu sehen gibt es taeglich den werten Herrn Praesidenten, seltsam kitschige Serien aus Europa oder den USA, und natuerlich Werbung.
Geworben wird hier meiner Erfahrung nach fast ausschliesslich fuer Handies, Reis und Kondome. Eine Mischung von Produkten, die zunaechst seltsam wirkt, auf den zweiten Blick aber mit wengen Worten einen ganzen Komplex umschreibt:
Das Handy - steht wohl fuer den Fortschritt. JedeR strebt nach dem Besitz eines solchen Geraetes, fuer den Fall dass der- oder diejenige es nicht schon laengst hat.
Der Reis - steht vielleicht fuer das, was ich nicht Rueckschritt nennen moechte. Etwas, wovon die Leute hier leben und womit sie wohl schlecht ohne leben koennten. Ausser landwirtschaftlichen Erzeugnissen findet man hier kaum Dinge, die nicht importiert wurden. Zugleich scheint es hier aber auch einen Monopolanbieter zu geben, dessen Reis laut Fernsehwerbung alle Menschen gluecklich macht.
Das Kondom - steht natuerlich fuer eines der groessten, wenn nicht das groesste Problem Afrikas. Ueber Sexualitaet zu reden galt hier lange Zeit als grosses Tabu. "Dank" (so traurig das auch klingen mag) AIDS hat sich das inzwischen etwas geaendert. Von der korrekten Gesellschaftsmeinung aus betrachtet, gibt es hier quasi keinen Geschlechtsverkehr vor der Ehe - In diesem Fall meldet sich die Stimme dieser gewissen afrikanischen Tradition.
Aber auch bei diesem Thema kommt man um die Einflussspaeren der ehemaligen Fremdherrchaft nicht ganz herum: Sieht man hier Frau und Mann Haendchen halten, oder einfache Liebesgesten, wie Umarmungen durchfuehren, so handelt es sich mit hoher Warscheinlichkeit um Geschwister, nicht aber um ein Liebes- bzw. Ehepaar.
Zu Kolonialzeiten wurde das Kuessen in der Oeffentlichkeit verboten.

In den vergangenen Tagen der Vorbereitung beschaeftigten wir uns mit der Kultur dieses und anderer Laender, erlaeuterten interkulturelle Probleme und Chancen und hinterfragten gesellschaftlich gepraegte Gedanken- und Handlungsmuster.
Die togolesische Gesellschaft ist tatsaechlich sehr animistisch gepraegt, der Aberglaube zieht sich durch das gesamte Alltagsleben der Menschen hier:
So essen manche TogiolesInnen z.B. nicht die Eier von Huehnern einer bestimmten Farbe. Mutter A isst also beispielsweise keine Eier von braunen Hennen. Mutter B geht sogar soweit, dass sie waehrend ihrer Schwangerschaft aufgrund ihrer Glaubensauffassung gar keine Eier isst. Dem Ungebohrenem fehlen aber folglich wichtige Naehrstoffe.
Im heutigen Afrika, gepraegt durch Kolonialzeit und Globalisierung, werden solche Traditionen schliesslich hinterfragt - ihnen wird, wenn moeglich, ein Sinn gegeben.
Frueher wurde ein Wald nicht abgeholzt, da er als heilig galt und dort auch angeblich Geister ihr Unwesen trieben. Und heute - na ihr kennt ja sicher das Problem.
Ein anderes Beispiel: Vor ihrer Hochzeit durfte eine Frau keine Maennerbesuche empfangen, die Frau selbst konnte allerdings das Haus so vieler Maenner sie nur wollte betreten. Diese togolesische Tradition wurde hinterfragt, wissenschaftlich unterlegt und man gelangte schliesslich zu der folgenden Erkenntnis: Das Ganze ist doch eigentlich im Bezug auf den Schutz der Frau eine recht vernuenftige Sache, da sie selbst entscheiden kann, wer ihr wirklich so wichtig ist, dass sie ihn besuchen moechte. Ueber umgedrehte Geschlechterungerechtigkeit kann man sich in diesem Fall natuerlich auch wieder streiten... ;-)

Bei der Erwaehnung und Erlaeuterung ihrer spezifischen Traditionen geben viele AfrikanerInnen vor allem ihren Stolz zu erkennen. Dinge, die nicht durch Andere zerstoert wurden, Dinge, die sie selbst bewahren konnten.
So ist man sich z.B. absolut sicher, dass afrikanische Kinder im Alter von 0 bis 3 Jahren intelligenter sind, als ihre westeuropaeischen AltersgenossInnen, da sie stets auf dem Ruecken der Mutter herumgetragen werden und dadurch ihre gesamte Umgebung und Umwelt viel besser wahrnehmen koennen, als das "zivilisierte" Pendant im Kinderwagen.
Viele Menschen haben hier ausseredem die Vorstellung, dass die Kinder in Europa an Bauch, bzw. Brust der Mutte getragen werden. Im Zuge dessen entfachte sich dann die Diskussion, ob das Kind auf dem Ruecken ganze 75%, dass Kind, das vorn getragen wird aber nur 50% seiner Umgebung wahrnehmen kann. Mir leuchtet diese Aeusserung bis heute nicht ganz ein, aber vielleicht fehlt es mir da ja auch einfach am mathematisch-raeumlichen Vorstellungsvermoegen.

Etwas gesondert moechte ich noch einmal ueber den vorletzten Mittwoch berichten, denn er erwies sich als extrem seltsam:
Nachdem ich mich gegen einen erneuten Spaziergang zum nahe gelegenem Wasserfall entschieden habe (was ich im Nachhinein allerdings extrem bereute), zeigte mir Amen (der Bruder der Ehefrau von Horace, dessen Name tatsaechlich wie das Ende eines Gebetes ausgesprochen wird) ein paar schoene Ecken von Kpalimé. Diese Stadt, die etwa 50.000 EinwohnerInnen umfasst, ist im Kern durch einen riesigen Markt gepraegt, an den grossen (geteerten) Zufahrtsstrassen befinden sich die diversesten Staende und teilweise auch Laeden im europaeischem Sinne. Man bekommt hier gleichzeitig alles und nichts, d.h. man kann hier Prinzip alles kaufen, was das Herz begehrt (vom afrikanischem Gewuerz bis zum Nike-Turnschuh), sollte aber nie nach etwas Bestimmten suchen.
Am Mittwochabend erwartete uns im Cared der Besuch des lokalen "Rotary Clubs". In Deutschland als Wohltaetigkeitsverband reicher Aerzte, Rechtsanwaelte und sonstiger lokaler Groessen bekannt, wurden wir an jenem Abend sozusagen mit der Superelite von Kpalimé konfrontiert. Dies aeusserte sich nicht nur im optischen Auftreten der Leute, sondern auch im folglich aufgetischtem Vier-Gaenge-Menue und der vorhanden Menge westlicher, alkoholhaltiger Getraenke. Zunaechst wurde dann also ueber diverse wohltaetige Projekte palavert und mit steigendem Alkoholpegel schliesslich Smokie-Lieder angestimmt.
Ich habe mich wirklich lange nicht mehr so fehl am Platz gefuehlt - warum die Situation uns Freiwilligen so besonders grotesk erschien, erlaetere ich im Folgendem:
Am Nachmittag wurde eine von uns Freiwilligen fast vergewaltigt.
Ich habe wirklich lange ueberlegt, ob ich das hier ueberhaupt schreibe, um nicht diversen Menschen unnoetige Sorgen zu bereiten, bin aber schliesslich zu dem Schluss gekommen, dass auch solche Rueckschlaege und schlechten Erfahrungen Erwaehnung finden sollten.
Das Ganze ereignete sich auf einer relativ vielbefahreen Strasse am helligten Tag, halb vier. Das betreffende Maedchen hatte sich entschlossen, allein zum Wasserfall zu laufen und ist dabei irgendwann einem Mann begegnet, der sie zunaechst mit der ueblichen "Bist du verheiratet?"-Phrase ansprach. Er verfolgte sie schliesslich, zerrte sie in' s Gebuesch und wuergte sie sogar, als sie sich zu wehren versuchte.
Nun ist diese Streasse aber zum Glueck wirklich vielbefahren und der noch gluecklichere Zufall wollte es so, dass ein Radfaher vorbei- und ihr zur Hilfe kam.
Das Maedchen ist inzwischjen in psychologischer Betreuung und wir Freiwilligen haben daraus unsere Schluesse gezogen, dass man nie etwas unterschaetzen sollte. Trotzdem sollte hier noch einmal erwaehnt werden, dass dieser Vorfall der erste seiner Art ueberhaupt (gemessen an den vielen Jahren, in denen hier schon Freiwillige arbeiten) war.

Nun, ich moechte lieber von angenehmeren Tagen berichten, z.B. von dem Tag, an dem ich auf den Kaiser traf.
Ja liebe Laura, erinnerst du dich denn noch an den Augenblick, als sich beim Skafestival im tschechischen Olzy der Koenig aller Kaefer in unserem Zelt befand?
Afrika toppt vieles - und ich traf auf den Kaiser.
Dass hier in Togo alle Insekten ein paar Zentimeter groesser sind, als in Deutschland, dass schockt mich nicht mehr. Allerdings habe ich nun wirklich noch nie in meinem Leben einen so riesigen Hirschkaefer gesehen. Der ugefaehr zehn Zentimeter grosse Apperat krabbelte das Insektennetz unseres Esszimmers hoch und machte es sich dann dort oben gemuetlich. Ich taufte ihn schliesslich "Kaeferkaiser".
Gut, kommen wir vom Kaiser der Kaefer zum selbsternannten Kaiser des Landes. Der befindet sich naemlich gerade in Burkina Faso, bzw. Bruessel und verhandelt dort mit anderen Staatschefs ueber die Demokratisierung von Togo.
Ich selbst habe mich eines Tages danach erkundigt, ob man den Lebensstandart hier in Togo denn mit dem in den Nachbahrlaendern Ghana und Benin vergleichen kann, worraufhin ich mir dann eine lange Predigt mit dem folgendem Inhalt anhoeren musste:
Im Gegensatz zu anderen afrikanischen Laendern, sind die Demokratisierungsbestrebungen in Togo nicht einmal im Ansatz geglueckt. Saemtliche Wahlen wurden seit Gnassingbés Machtergreifung 1968 von der Regierung manipuliert, Aufstaendige wurden vor den Augen von UNO-WahlbeobachterInnen niedergeschossen. Durch dieses an den Tag gelegte Verhalten der MachthaberInnen Togos, ist es schliesslich nie zu der entsprechenden internationalen Finanz- und Wirtschaftshilfe gekommen, die andere Laender in ihrer Entwicklung voranbrachten.
Auf der Konferenz in Burkina Faso wurde nun beschlossen, dass es irgendwann in den naechsten Monaten zu Neuwahlen der Legislative kommen wird.
Uns Freiwilligen wurde dann auch sogleich in der gewohnt laessig-afrikanischen Art verkuendet, dass wir keine Angst zu haben braeuchten, da sich die Leute hier bei den Wahlen zur Legiqslative nicht gegenseitig totschiessen wuerden. - Im Gegensatz zu Praesidentschaftswahlen. (Mensch erinnere sich da z.B. an den Anschlag auf das Goethe-Institut von Lomé im Jahr 2005)
Meiner Meinung nach lernt man erst innerhalb solcher politischer Systeme unsere parlamentarische Demokratie in Deutschland richtig zu schaetzen....und sei sie noch so buerokratisch, kompliziert und vor allem unbeliebt. Vielleicht brauchen die Menschen ja tatsaechlich diesen gewissen Unterdrueckungsfaktor und Supermissstand, um einen Anreiz zu haben ihren - Entschuldigung - "Arsch hochzubekommen" und sich selbst an den politischen Entwicklungsprozessen ihrer Umgebung zu beteiligen.
Am interessantesten erscheint mir jedoch die Fragestellung, wie manche Menschen darauf reagieren wuerden, wenn sie nicht mehr tagtaeglich das aktuelle politische Tagesgeschehen anpragern duerften. Wenn es keine BILD-Zeitung mit polemisch-politischem Inhalt, keine "Macht-Marionetten", ueber die man (sich) gleichzeitig aufregen und lachen kann, gaebe.
Hier in Togo sollte man jedenfalls lieber nicht auf offener Strasse oder mit Fremden ueber Politik reden.
Dass viele Menschen in Deutschland so einen Zustand eigentlich kennen muessten, lehrt uns die Geschichte. Dass viele Menschen in Deutschland diese verdraengen oder versdraengt haben, die Gegenwart.
Die Mehrheitsbeteiligung an der Demokratie bleibt also vorerst leider eine Utopie, die Unattraktivitaet der Selben aber eben auch. Nun ja, ich schweife ab... ;-)

Am Samstag vor einer Woche bin ich nun endlich in meiner Gastfamilie angekommen. Diese lebt neben einem der wenigen grossen Hotels von Kpalimé. Ich wohne nun also so ziemlich direkt in der Innenstadt und kann folglich alles recht gut erreichen.
die Familie besteht aus meiner grossen Gastschwester Sélassé (24), den Geschwistern Brigitte (13) und Kodjo (10), sowie Mutter, Vater und Grossmutter. So ganz genau konnte ich die Zusammensetzung de eigentlichen Familie zuerst gar nicht ueberblicken, da am Tag meiner Ankunft auch eine Vielzahl von Verwandten aus Lomé anreiste, um eine Ferienwoche hier in Kpalimé zu verbringen.
Im Prinzip ist die grosse Schwester fuer mich "zustaendig", die sich zwar als zuweilen extrem dominant, aber auch sehr lustig erwies. Mit ihr teilte ich mir auch (aufgrund des zahlreichen Besuchs) ein Bett und durfte mich den ganzen Tag mit ihrer Musik vergnuegen. Da musste ich mich dann auch erst einmal rechtfertigen, weshalb ich nicht ganz so gerne "Westlife" hoere. ;-)
Die Familien- und Verwandschaftsmitglieder sind aber an und fuer sich alle total lieb, dass Essen ist zwar etwas gewoehnungsbeduerftiger, als im Cared (sehr oft sehr reichaltige traditionelle Speise wie Foufou oder Pâtes), zumeist aber trotzdem sehr lecker.
Besonders grossen Spass haben die Familienmitglieder stetst, wenn sie mir diverse Kleinkinder auf den Ruecken binden, die ich dann mit mir rumschleppen darf.
Nun komme ich aber mal auf die wirklich interessanten Dinge zurueck: Die sanitaeren Anlagen. Die sind naemlich tatsaechlich ein ganzes Stueck einfacher gehalten, als bisher. Neben dem klassischen Loch-Plumpsklo, sollte hier auch meine neue "Outdoor-Dusche" Erwaehnung finden. Den Duschvorgang praktiziere ich folgendermassen: Ich nehme meinen Eimer, hole aus dem Brunnen Wasser, trage diesen bis hinter das Haus zu einer Art unueberdachter Umkleidekabine mit Abfluss und schuette immer wieder Wasser in einen anderen Eimer um, dessen Inhalt ich mir dann ueberkippe.
Besonders lustig gestaltet sich die ganze Sache, wenn es sowieso schon regnet und man nach dem Duschen dann irgendwie dreckiger ist, als zuvor.

Im Alltag wird man hier, wie wohl ueberall auf der Welt, mit den kleinen und groesseren Problemen des Lebens konfrontiert.
So auch mit den Beziehungsproblemen meiner Gastschwester. Deren heimlicher Freund ist naemlich ein Zeuge Jehovas, was eine Heirat zwischen den beiden ziemlich unmoeglich macht.
Eigentlich will sie im Moment ja auch noch gar nicht heiraten und Kinder bekommen, da sie derzeit ihr Abitur nachholt und danach studieren moechte. Das passte aber dem besagtem (etwas aelteren) Freund nicht, der sie schliessich verlassen hat und jetzt eine andere Frau heiraten moechte. Das Leben ist kompliziert, doch eine Liebesheirat in Afrika noch wesentlich komplizierter.

Ganz besonders gespannt habe ich ja den Besuch des hiesigen, katholischen Gottesdienstes erwartet, den ich wohl noch sehr oft (um nicht zu sagen regelmaessig) besuchen werde.
Der Ablauf kam mir sehr bekannt vor, wurde aber allerdings anstatt mit der (oftmals etwas eintoenigen) gewohnten Orgelmelodie, mit einer Art Bigband-Blasorchester-Musik sehr schwungvoll unterlegt. Die am Sonntag besonders farbenfroh gekleideten Menchen tanzten dazu und verhalfen dadurch der Messe zu einem froehlichen Fest zur Ehrung Gottes und seines Sohnes.
Ich war jedenfalls begeistert :-)

Die Erlebnisse haeufen sich hier schliesslich Tag fuer Tag und man weiss oft gar nicht, wie man die vielen, verschiedenen Impressionen verarbeiten soll.
Neben der weiteren Erkundung von Kpalimé, habe ich z. B. den Radiosender besucht, bei dem einer unserer Nachbarn arbeitet. Um dorthin zu kommen bin ich das erste Mal in meinem Leben Mofa (hier genannt Moto) gefahren. Tja, dass ist ja an und fuer sich kein grosser Akt, aber ich habe dabei wohl etwas den Faktor "Afrika" unterschaetzt:
Ich wusste nicht wirklich, wovor ich mehr Angst haben sollte - vor den vielen anderen VerkehrsteilnehmerInnen, die uns staendig an- und umfahren zu wollen schienen, oder den vielen lustigen schlagloechern (setzt man vorraus, dass man sich gerade auf einer der wenigen geteerten Strassen befand).
Die Radiosendung war auch recht lustig. Dort wurde eine Produktionsfirma fuer Telefonzellen vorgestellt - die TogolesInnen sind schliesslich auf jegliche Form eigener Industrie stolz.
Eines Tages machte ich mit meiner Gastfamilie auch einen Ausflug in ihr Heimatdorf. Dieses Dorf liegt unweit der Strasse nach Lomé, am Fusse eines Berges. Dort angekommen, wurde mir dann natuerlich jedes Familienmitglied einzeln vorgestellt. Wenn man sich vor Augen fuehrt, dass diese Familie allein schon zehn erwachsene Geschwister umfasst und du dann beispielsweise mit irgendwelchen Neffen des Grossvaters konfrontiert wirst, koennt ihr euch sicher vorstellen, welche Ausmasse die ganze Sache schliesslich annahm. Ich war jedenfalls wirklich recht froh, als wir wieder die Heimreise antraten. Verwandtschaftsbesuche sind ja schon in Deutschland in punkto Anstrengung nicht zu unterschaetzen, aber nach neuester Erkenntnis koennen sie eben noch ganz andere Dimensionen umfassen.
Der Abend fand wie so oft, mit einem politisch-kritischem Gespraech seinen Ausklang. Dabei tauschte ich mich mit einem Cousin der Familie, der in Lomé Soziologie studiert, ueber die Aussenwirkug von Afrika im Allgemeinem und dem Land Togo im Speziellem aus. Die Teilnahme an der Fussballweltmeisterschaft war fuer die Leute hier von ganz besonderer Bedeutung, ist man sich doch darueber bewusst, dass das Land Togo damit fuer viele Menschen in Europa und anderswo erstmals in' s Bewusstsein gerueckt ist. Sehr verwundert ist man hier ausserdem ueber die Tatsache, dass nur extrem wenige Menschen in Deutschland etwas ueber die Kolonialgeschichte und die entsprechenden "deutschen Errungenschaften" wissen.
An diesem Punkt angelangt, schliesst sich fast wie selbstverstaendlich die Kritik an Frankreich an. Im Zuge dessen wird aber auch immer wieder betont, dass sich diese natuerlich nicht gegen die Menschen dort, sondern gegen die Politik der franzoesischen Regierung richtet.
Die Politik unter der Schirmherrschaft von Jaques Chirac wird dabei noch deutlich haerter verurteilt, als z. B. jene von François Mitterand, da sich Letzterer nach Zusammenbruch des weltweiten Blocksystems wenigstens noch etwas um die Demokratisierungsprozesse in den ehemaligen, franzoesischen Kolonien gekuemmert hat.
Der besagte Cousion sah jedenfalls das erste grosse Problem des Landes in der hiesigen Politik und ihren Verpflechtungen - das zweite grosse Problem ist AIDS.
An den Strassen hier befinden sich unzaehlige Werbetafeln, die fuer einen aufgeklaerten Umgang mit dem Thema Sexualitaet plaedieren, d.h. fuer die Benutzung von Kondomen, gegen Vergewaltigungen (was hier, wie eigentlich ueberall auf der Welt, vor allem ein internes Familenproblem ist) und fuer eine Kommunikation dieses Tabuthemas zwischen Kindern und Eltern.
Gleichzeitig kann man bei der Problmemanalyse des Themas AIDS auch ein Defizit in Bezug auf die Emanzipation der Frau feststellen. Viele Frauen verlassen sich bei der Verhuetung, bzw. Aidspraevention ausschliesslich auf ihren maennlichen Partner. Ist dieser unzuverlaessig, oder hat andere Gruende kein Kondom zu benutzen, so akzeptieren sie dies still.
Mit dem Thema Aidspraevention wird man hier wirklich permanent konfrontiert - Das eigentliche Problem verringert sich totzdem nur sehr unwesentlich.
Die Leute, die die Gewissheit einer positiven Infektion haben, werden sich davor hueten, dies oeffentlich zuzugeben.
Irgendwann sterben sie dann im Krankenhaus an Irgendetwas.

Die Menschen hier sind stets furchtbar nett. Man trifft hier wirklich kaum auf Formen der Unfreundlichkeit, sondern muss eher aufpassen, dass die Leute nicht zu freundlich sind und werden.
Inzwischen besitze ich schon eine kleine Ansammlung von Telefonnummern und und bin stets auf der Hut, meine eigenen Adress- und Telefondaten nicht jedem zu geben. Dies koennte naemlich in etwas Terroraehnlichem enden.
Mit der Zeit kristallisiert sich dann aber auch heraus, an welchen Personen auch du ein ersthaftes Interesse hast. Dabei loest man sich auch so langsam aus der deutschen Subkultur, von der man quasi noch bis vor Kurzem umgeben war.
Inzwischen treibe ich hier regelmaessig Sport und mache mit Leuten Musik (und spiele dabei vornehmlich Djembé -->Trommel).
Die Begegnung mit Menschen einer weissen Hautfarbe sollten hier dennoch extra erwaehnt werden, begruesst man sich dann doch oft mit einem Blick, der schon fast auf eine Geheimverschwoerung hindeuten koennte. Prinzipiell verirren sich hierher nur reativ wenige TouristInnen und diese sind dann auch eher ExotInnen ihrer Art. So traf ich z.B. eines Tages im Internetcafé auf einen Schweden, der mich auf ei Bier einlud. Dieser Schwede reist nun schon seit fuenf Jahren mit dem Fahrad durch ganz Europa, Asien und Afrika. Die anderen Kontinennte werden in den naechsten Jahren folgen. Dabei ist er jeweils zehn Monate unterwegs und verkauft die restlichen zwei Monate des Jahres in Schweden Weihnachtsbaeume, um sich seine Reisen erneut zu finanzieren.
Nun gut, ich stehe nun also kurz vor dem Entschluss meine Studienplaene ueber den Haufen zu werfen, in Schweden Weihnachtbaumverkaeuferin zu werden (was ja ein sehr lukratives Geschaeft sein muss) und im Anschluss die Welt zu bereisen. ;-)
Verrueckt genug muss man sein...

Nochmal ein kurzer Themenwechsel:
Ein ganz besonders Erlebnis werden wohl auch die monatlichen Frauenprobleme werden. Da ich mich vor meiner Abreise etwas belesen habe, wusste ich schon, dass ich hier nicht unbedingt im Tamponpradies landen wuerde. Doch auch die Suche nach Binden war ein kleines Abenteuer:
Zunaechst ist es ja recht schwierig, auf Franzoesisch zu erklaeren, was man da genau moechte und dann bieten dir ca. 95 % aller HaendlerInnen Klopapier an. Hm, naja, irgendwann haben wir dann doch den Laden unseres Vertrauens gefunden, so komfortabel wie in Deutschland ist die Ware jedoch trotzdem nicht. Ich freue mich auf jeden Fall schon ungemein auf die zahlreichen "Kaltes Wasser mit Kernseife und Hand"-Waschgaenge.
Desweiteren habe ich jetzt auch endlich meinen ersten richtigen Heiratsantrag vom Portier des gegenueberliegendem Hotels erhalten. Der meinte jedenfalls, dass unsere Kinder wohl sehr huebsch und wohlgeformt aussehen wuerden - dabei wollte ich doch eigentlich nur fragen, wie lange das Schwimmbad aufhat...

Die Verwandtschaft aus Lomé ist inzwischen schon wieder abgereist und auf einmal ist es im und an meinem Haus um ein Vielfaches ruhiger. Ich vermisse die ganzen Leute aber schon jetzt ein bisschen.
Zusammengzefasst ist noch folgendes hinzuzufuegen:
Im Moment habe ich noch relativ viel Freizeit, da der Ewe-Sprachkurs erst nach dem Franzoesisch-Sprackurs (an dem ich nicht teilnehme) beginnt und hier in Togo die Ferien auch im Generellen laenger andauern als bei uns.
Ich werde allerdings alsbald mit einem volkshochschulaehnlichem Unterrichten von Deutsch und Englisch beginnen.
Die letzten drei Tage reiste ich ausserdem mit einer lokalen Tanz- und Musikgruppe nach Lomé.
Am Montag fand dort ein Wettbewerb rund um das Thema Aidspraevention statt, der sogar live im togolesischen Fernsehen uebertragen wurde. Aber davon berichte ich das naechste Mal etwas ausfuerlicher.

In Lomé erfasste mich auch das erste Mal (ziemich exakt drei Wochen nach meiner Abreise) so richtiges Heimweh. Im Zuge dessen entwickelt man dann so einen gewissen Afrika-Pessimissmus und sehnt sich mehr denn je nach nach so ein bisschen "deutscher Ordnung". Gleichzeitig malt man sich aber auch aus, wie man das afrikanische Chaos, die afrikanische Froehlichkeit, dieses etwas andere Lebensgefuehl, einst vermissen wird und reflektiert in Gedanken ueber die Dinge, die man als Erstes realisieren wird, wenn man eines Tages wieder in Chemnitz ankommen wird:
Ein Lektueretag auf dem Klo, ein Internetbesuch mittels Flatrate und ohne Stromausfall, sowie ein Mittagessen bei Oma, das man mit einer Vielzahl von Gewuerzen anreichern wird, weil es sonst wohl warscheinlich nach Gar nichts schmecken wuerde. :-)

Liebste Gruesse und fuehlt euch gedrueckt,
die Diana

(die inzwischen ganz viele kleine Rastazoepfe hat und dem Internetcafé wohl wieder zum Tagesumsatz verholfen hat)

"Das Kalb verliet auch in der Dunkelheit seine Mutter nicht.
Der Elefant stirbt, aber seine Stosszaehne bleiben.
Der kleine Tausendfuessler rollt sich genauso zusammen wie seine Mama."

(aus Ahmadou Korouma: "Die Naechte des grossen Jaegers")

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(01056)00228-441-08-50
11.9.06 12:09


und wir rufen alle zusammen:

" YOVO,YOVO

BONSOIR.

(COMMENT çA VA?)

çA VA BIEN.

MERCI."
15.9.06 17:00


Lariam-Wahn

wie toll doch malaria-prophylaxe sein kann.
frueher konnte ich mir meine traeume so gut wie nie merken.
heute geht das...gedankt sei afrika, gedankt sei lariam.

naja, also berichte ich mal von gestern nacht:

szene eins:

ich sitze mit drei togolesinnen an einer strasse und verkaufe fruechte. wir unterhalten uns ueber die emanzipation der frau und kauen auf dem hier ueblichen holz herum (dies wird naemlich gemeinhin als zahnbuerste genutzt)
dabei habe ich allerdings staendig angst, dass mir meine zahnfuellung herausbricht.

szene zwei:
ich sitze mit anderen yowos (also anderen freiwilligen) auf dem dach einer bar. hier auch bekannt als "dachbar". wir beobachten den sternenhimmel.
ploetzlich sehe ich eine sternschnuppe...dann zwei...dann drei. die sterne fallen ploetzlich allesamt vom himmel und nehmen dabei seltsame formen an, oder bilden schriftzuege, wie "Laura". ich finde die situation in diesem moment auch total schoen und male mir aus, wie ich laura irgendwann erzaehlen kann, dass und wie die sterne in togo dann ploetzlich ihren namen gebildet haben...
wir gehen schliesslich gemeinsam die treppe herunter und kommen an einem riesigen fernseher vorbei.
auf dem bildschirm ist der werte herr us-praesident bush zu sehen, wie er verkuendet, dass "wir es wohl nun endlich schaffen werden, auf dem mond zu landen".
daraufhin meint dann stefan, dass das doch dann aber gar nicht mehr gaenge, wenn die ganzen sterne runterfallen. die konfliktsituation fiel uns jetzt also wie schuppen von den augen: entweder wir koennen den mond bereisen, aber es gibt keine sterne mehr, oder wir schuetzen die sterne, samt ihrer bisherigen, fernen schoenheit.
fuer mich war die entscheidung eindeutiger, als alles andere auf der welt ... und ich wachte auf.
27.9.06 19:47





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