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Am Strand von Lomé



um euch auch mal ein bisschen eifersuechtig zu machen...
:-)
24.11.06 18:28


Afrikanische Abendlektuere

Bonsoir ihr da oben!

Ja, ich weiss, lang ist es her. Ich lebe noch. Und es geht mir sogar ziemlich gut. J
Nachdem mich nun auch schon mehrere Beschwerden aufgrund von Desinformation meines Daseins und Schaffens erreichten, berichte ich euch also hiermit wieder in aller Ausfuehrlichkeit ueber mein Leben in Togo.
Zwei Ausreden moechte ich dann aber doch noch anfuehren:
1. Ich verlebte meine erste Malaria. Und das war wirklich nicht lustig. Jetzt weiss ich zumindest, welches Glueck ich bisher immer gehabt habe, nie von so einer richtig schlimmen Grippe erfasst worden zu sein.
39 Grad Fieber, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen, grenzenlose Schlappheit - das schlimme an Malaria ist glaube ich die Mischung.
Nach vier Spritzen und einem Tablettencocktail ging es dann aber auch schon wieder. Insgesamt hat mich das Ganze ja auch nur eine Woche gekostet.
Nun also der definitiv erheblichere Grund fuer mein vermeintliches Schweigen:
2. Die unglaublich superlangsame Internetverbindung von Togo. Da koennte man wirklich manchmal wahnsinnig werden. Meine Ansprueche an diese sind in den letzten Monaten ganz erheblich gesunken. Zu Hause mal schnell ins Internet zu gehen ist selbstverstaendich Schnee von gestern.
Wenn du aber dreimal in der Woche den Versuch startest, irgendwie ins Internet zu kommen und es geht rein gar nichts, dann kann das schon recht depremierend sein.
Aber im Prinzip habe ich mich darueber schon genug aufgeregt und es gibt ja schliesslich auch wichtigere Dinge zu berichten.
Erstmal noch etwas formales: Je nach Internetcafé kann man mich hier auch mittels msn messenger (diana_in_togo@hotmail.comà an diese adresse duerfen auch gerne mails geschickt werden) oder skype (diana.hohner) erreichen. ICQ gibt es hier leider nicht.
Ausserdem gibt es jetzt auch so langsam Bilder. Da ihr ja sicher alle meine Skepsis gegenueber diversen Technologieneuheiten kennt, musste ich meinen ersten Film natuerlich erstmal nach Hause schicken ihn dort entwickeln lassen…und konnte mir dann durch die Hilfe meiner Eltern die Bilder im Internet anschauen.
Dasselbe koent ihr unter “mwblog.de/lascomillas” machen. Die Qualitaet der Bilder ist leider nicht sonderbar toll. Wer also unbedingt Bilder in Digitalform braucht, der soll sich melden. (das ist prinzipiell moeglich, das Hochladen dauert allerdings ewig)

Nun fange ich also dort an zu berichten, wo ich das letzte Mal geendet habe. Das liegt nun also schon eine ganze; ganze Weile zurueck, aber ich moechte euch ja schliesslich keine Erlebnisse vorenthalten. – Mein Wochenendausflug nach Lomé:
Willkommen in der Hauptstadt. Wilkommen im Trubel. Willkommen an einem Ort, an dem es von allem ein bisschen mehr zu geben scheint. Ein bisschen mehr an Menschen, ein bisschen mehr an Moeglichkeiten und auch ein bisschen mehr an Anonymitaet. Jedenfalls hat meine dortige Anwesenheit nicht so viel Aufmerksqmkeit erregt, wie sonst immer in Kpalimé. Und das, obwohl ich an meinem Ankunftstag nur einen einzigen anderen Yovo gesichtet habe – einen Yovo, auf den ich sogar schon einmal in Kpqlimé getroffen bin.
Nach einer chaotischen Hinfahrt (die Rueckfahrt sollte sich als noch chaotischer erweisen), besichtigten wir ein bisschen die Stadt. Die Verwandten des Freundes, bei denen wir uebernachteten, wohnten im hintersten Teil von Lomé, weshalb der Fussmarsch den ganzen Tag andauerte. In Lomé wohnen ja immerhin etwa eine halbe Million Menschen. Da zu diesem Zeitpunkt noch Regenzeit herrschte, wurden wir auch des oefteren von einem regelrechtem Platzregen aufgehalten, haben es dann schliesslich aber doch noch bis zum Meer, bzw. Strand geschafft. Am Strand feierten Massen von Menschen den Sieg der togolesischen Fussballnationalmannschaft gegen das Nachbarland Benin. Und wenn man in Afrika von “feiern” spricht, dann wird auch gefeiert. Aber wie…
Mit Schwimmen ist dort allerdings nicht viel, da die Wellen zum Einen extrem hoch sind und wohl auch irgendwelche gefaehrlichen Stroehmungen vorherrschen. Aber wen stoert es?! Die meisten TogolesInnen koennen sowieso nicht schwimmen.
Sehr beeindruckend finde ich immer wieder die unheimliche Gastfreundschaft der Menschen in Togo. Die besagte Tante meines Freundes hat uns nicht nur reichhaltig bekocht und umsorgt, ich durfte sogar (obwohl ich ihr mindestens dreimal versichert habe, dass das nicht noetig sei) in ihrem Bett schlafen (und sie schlief auf dem Boden). Die Cousine des Freundes hat mir dann auch noch als Geschenk und Andenken den ganzen Morgen lang lauter kleine Rastazoepfe geflochten.
Am Nachmittqg des zweiten Tages fand schliesslich der Wettbewerb gegen AIDS im “tollstem” Hotel von Lomé statt. Dieses Fuenf-Sterne-Hotel kann man architektonisch etwa mit dem Hotel Mercure in Chemnitz vergleichen. Fuer mich also weniger huebsch anzusehen, stellt es als hoechstes Gebaeude der Staqdt fuer viele BewohnerInnen von Lomé ein Relikt angestrebter, moderner Entwicklung einer Grossstadt dar. Das Spektakel, bei dem verschiedene Gruppen aus Lomé und Kpqlimé mittels tradtionellem Tanz, Gesang und Schauspiel gegeneinander antraten, wurden sogar live im Fernsehen uebertragen, verlief aber trotzdem extrem konfus. Naja, was will man erwarten…und letztendlich waren es vor allem die spontanen Begeisterungsaktionen des Publikums, die der ganzen Sache ihre Faszination gaben. Wenn die ZuschquerInnen das Beduerfnis hatten, laut mitzusingen, so taten sie das einfach, wenn sie tanzen wollten, dann tanzten sie… und sollte sich aus einer Nichtigkeit heraus zwischen zwei Personen oder Personengruppen ein Konflikt entfacht haben, so wurde dieser eben mit entsprechendem Lautstaerkepegel und zuweilen auch unter Anwendung von Handgreiflichkeit ausgetragen.
Am darauf folgendem Tag bin ich dann also nach Kpalimé zurueckgekehrt und hatte folgende Dinge mit im Gepaeck: Ca. 80 Kondome, ein “100% jeune – 100% reglo”-T-Shirt und die Gewissheit, dass diese Form der Aufklaerung im Generellen die Faszinierendste und in Afrika wohl auch die Effektivste ist.

Besonders spannend finde ich im Moment die philosophische Diskussion um den Begriff “Zeit”. Der polnische Autor und langjaehrige Afrikareisende Ryszard Kapuscinski versuchte die unterschiedlichen Wahrnehmungen dieses Subjektes einmal folgendermassen zu beschreiben:
“Europaeer und Afrikaner haben voellig unterschiedliche Zeitbegriffe, sie nehmen die Zeit anders wahr, haben eine andere Einstellung ihr gegenueber. In der Ueberzeugun des Europaers existiert die Zeit ausserhalb des Menschen, objektiv, gleichsam ausserhalb unserer selbst, und besitzt eine messbare, lineare Qualitaet. Nach Newton ist die Zeit absolut: “Die absolute, wirkliche, mathematische Zeit fliesst in sich und in ihrer Natur gleichfoermig, ohne Beziehung zu irgend etwas ausserhalb ihrer Liegenden…” Der Europaer sieht sich als Diener der Zeit, er ist von ihr abhaengig, ihr untertan. Um existieren zu koennen, muss er ihre ehernen, unverrueckbaren Gesetze, ihre starren Prinzipien und Regeln achten. Er muss Termine einhalten, Tage, Daten und Stunden. Er bewegt sich innerhalb des Getriebes der Zeit, kann ausserhalb dieses Getriebes nicht existieren. Dieses Getriebe drueckt ihm seine Zwaenge, Anforderungen und Normen auf. Zwischen dem Menschen und der Zeit besteht ein unloesbarer Konflikt; der immer mit der Niederlage des Menschen endet – die Zeit zerstoert ihn.
Ganz anders sehen die Eingeborenen, die Afrikaner die Zeit. Fuer sie ist die Zeit eine ziemlich lockere, elastische, subjektive Kategorie. Der Mensch hat Einfluss auf die Gestaltung der Zeit, auf ihren Ablauf und Rhytmus (natuerlich nur der Mensch, der im Einvernehmen mit den Vorfahren und Goettern handelt). Die Zeit ist sogar etwas, was der Mensch selbst schaffen kann, weil die Existenz der Zeit z.B. in Ereignissen zum Ausdruck kommt, ob es aber zu diesem Ereignis kommt oder nicht haengt schliesslich vom Menschen ab. Wenn zwei Armeen auf eine Schlacht verzichten, dann hat diese Schlacht nicht stattgefunden (das heisst, die Zeit hat ihre Existenz nicht unter Beweis gestellt, existierte nicht). Die Zeit macht sich als Folge unseres Handelns bemerkbar, und sie verschwindet, wenn wir etwas unterlassen, oder ueberhaupt nichts tun. Sie ist eine Materie, die unter unserem Einfluss immer zum Leben erweckt werden kann, jedoch in einen Zustand des Tiefschlafs, oder sogar der Nicht-Existenz versinkt, wenn wir ihr unsere Energie versagen. Die Zeit ist eine passive Kategorie und vor allem vom Menschen abhaengig. Eine voellige Umkehrung des europaeischen Denkens. In Umsetzung auf praktische Situationen bedeutet das: Wenn wir in ein Dorf kommen, wo am Nachmittag eine Versammlung stattfinen soll, aber am Versammlungsort niemanden antreffen, ist es sinnlos zu fragen: “Wann wird die Versammlung stattfinden?” Die Antwort ist naemlich von vornherein bekannt:”Wenn sich die Menschen versammelt haben.””
Da Globalisierung auch Anpassug bedeutet, kann man jenes symboltraechtige Denken heute (zumindest in den afrikanischen Staedten) wohl nicht mehr in seiner Reinform vorfinden. Elemente davon, begegnen einem aber im gesamten Alltagsleben, so auch auf der Rueckfahrt von Lomé nach Kpalimé:
Auf dieser Stecke verkehren zahlreiche Minnibusse, die normalerweise hoechstens acht oder neun Menschen transportieren koennen. Der Ausfahrtsstrasse nach Kpalimé folgend, fanden wir schliesslich einen solchen vollbesetzten, alten Kleinbus und stiegen ein. Statt nun aber weiter in Richtung Kpalimé zu fahren, wendete der Fahrer und fuhr wieder gen Lomé-City. Nun ja, so kutschierten wir dann erst noch einmal durch halb Lomé, immer auf der Suche nach Kpaliméreisewilligen, denn hier in Togo gibt es anscheinend keine Strassenverkehrsordnung. Ich wuesste zumindest nicht, was diese beinhalten sollte.
Am Ende verliessen zir Lomé im irgendwie sechzehnkoefig besetztem Minibus und wurden noch mehrmals von umsatzhungrigen Haendlerinnen und gelangweilten Polizeibeamten aufgehalten. Die Fahrt dauerte dann insgesamt drei Stunden und war sehr lustig. Zum Glueck hatte ich vorher niemanden mitgeteilt, wann ich denn genau ankommen wuerde…
So viel zu Lomé.

Mitte September war Schulanfang. Im federalismusfernen Togo natuerlich kollektiv und ueberall. Schulanfang bedeutete fuer mich deshalb auch gleichzeitig Arbeitsanfang. Tja, und wer haette da gedacht, dass ich so schnell wieder in einer Schle lande?! Wo ich doch nie eine grosse Freundin dieser Institution gewesen bin und mir nach bestandener Abiturpruefung der Abschied von selbiger so leicht, wie kaum jemand anderen gefallen ist.
Nun ja, da das Leben meiner Meinung nach sowieso immer anders kommt, als man denkt, habe ich mich ueber diesen Umstand dann auch gar nicht mehr so sehr gewundert. Schliesslich ist meine Aufgabe dort ja jetzt eine ganz andere, sie macht sozusagen richtiggehend Sinn! Um auf den Punkt zu kommen: Ich arbeite hier am “Collège Protestant”, einem lokalen und (wie der Name schon hindeutet) nicht ganz konfessionslosem Gymnasium. Diese Schule integriert auch blinde und sehbehinderte SchuelerInnen, mit denen ich
(zusammen-)arbeite. Der theoretische Teil meier Arbeit umfasst vor allem das Uebersetzen von Schulbuechern und –materialien in “Braille”, der internationalen Blindenschrift. Dazu musste ich also zunaechst die verschiedenen Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen lernen und mehr ode zeniger verinnerlichen. Zur Zeit tippe ich z.B. mithilfe einer Braillemaschine (die optisch einer Schreibmaschine aehnelt) ein Englischbuch ab. Zunaechst war ich auch noch so naiv zu glauben, dass das in Deutschland genauso gehandhabt wird. Aber nein, dort erfolgt das Ganze selbstverstqendlich arbeitsunaufwendig und hightechmaessig per Computerprogramm. ;-)
Der praktische Teil meiner Arbeit umfasst den regelmaessigem Besuch des Deutsch- und Englischunterrichts, im Zuge dessen ich den Blinden Schuelerinnen dann das Tafelbild diktiere. Das ist gar nicht so einfach, denn Deutschunterricht bedeutet hier in Togo im Prinzip “1,5 h Intensivkurs deutsche Grammatik”, bei denen der Lehrer in punkto diktieren und “an-die-Tafel-schreiben” jedes Mal wieder gewillt ist, sich selbst zu uebertrumpfen. Damit die blinden und sehbehinderten SchuelerInnen dabei ueberhaupt irgendwie hinterherkommen, gebe ich ihnen zusaetzlich zwei Mal pro Woche zu Hause Nachhilfe. Auf einmal sind dann wieder irgend welche Nominativ-, Genitiv-, Dativ-, und Akkusativkenntnisse gefragt, die ich seit der zehnten Klasse eigentlich schon erfolgreich verdraengt hatte . Und mit blossem “Sprachgefuehl” kann man einem/r NichtmuttersprachlerIn sowas eben schlecht erklaeren. J Ich betreue dabei die SchuelerInnen der Klassenstufe “Terminal”, also diejenigen, die dieses Schuljahr ihg Abitur absolvieren moechten. Das Abitur hat hier verschiedene thematische Ausrichtungen, so auch die haeufig gewaehlte Form der sprachlichen. Deutsch wird dort dann generell in den letzten drei Schuljahren unterrichtet, was mich am Anfang wirklich ueberrascht hat. Die Kolonialgeschichte des Landes gruesst hier also mal wiedermal, erklaert aber wohl trotzdem nicht jeden Umstand, denn Deutsch wird in Afrika anscheinend in relativ vielen Laendern unterricht.
Ueber die Unterrichtsmethodik habe ich mich ja bereits schon etwas geaeussert, mit Interesse, aber auch latentem Erstaunen und teilweise auch Unverstaendnis, verfolge ich die Masse an Wissensaneignung, die von den hiesigen SchuelerInnen stets gefordert wird. Mit meiner grossen Gastschwester habe ich z.B. einst Samstagabends Geschichte gelernt. Dies umfasste einen riesigen Text ueber den Versailler Vertrag, inklusive saemtlicher Betimmungen. Des weiteren jegliche Reparationszahlungsvertraege und Nichtangriffspakte. Von “Young” bis “Locarno” war da alles dabei.
Ich schreibe gerade ja auch von meiner grossen Gastschwester die, wie schon einmal erwaehnt, 24 Jahre alt ist. Ich wuerde es euch wirklich nicht uebel nehmen, wenn ihr euch jetzt wundert, warum sie in diesem Alter noch die Schule besucht. Das ist hier aber so ziemlich der Normalfall. Die Leute haben zwar wirklich nicht viel Geld – fuer die Schulbildung ihrer Kinder muessen sie allerdings bezahlen. Und falls das gerade mal nicht moeglich ist, wird eben zu Hause geblieben. Der zweite Grund ist aehnlich simpel: Die Schuelerinnen und Schueler koennen einfach beliebig gerne sitzenbleiben, ohne das das jemanden stoeren wuerde. Das andere Extrem gibt es aber auch: Die Tochter eines Freundes ist neun und besucht derzeit das, was bei uns die sechste Klassenstufe ist. Seine aeltere Tochter hatte mit 16 auch schon ihr Abitur hinter sich gebracht. Ich habe mich also ernsthaft gefragt, wie die Kinder so etwas schaffen. Das Ueberspringen von Klassenstufen, oder die Einschulung drei/vierjaehriger Kinder ist hier tatsaechlich nicht ungewoehnlich. Aber bei dieser Masse an Lernstoff?!

Nach dem ersten Monat, der schon sehr eindeutig etwas von Urlaubsstimmung aufwies, begann ich mich also mehr und mehr praktischer Arbeit zu widmen. Ich bin ja nun schliesslich auch nicht zum Ausruhen nach Togo gekommen! Ich beschaeftigte mich nun mit etwas Sinnvollem. Das habe ich eigentlich auch schon immer so versucht. Und am Ende beschwerte sich dann immer Dieser und Jene dass ich nie Zeit haette. Oder keinen Sinn fuer die fundamentalen Dinge im Leben. Das ist auch hier in Togo nicht anders. Obwohl ich meiner Meinung nach allein in den letzten zwei Monaten mit einem ganz gewaltigen Mehr an fundamentalen Dingen lebe.
Ich schweife wiedermal ab. Eigentlich wollte ich ja ueber meine praktischen Taetigkeiten berichten.
Neben meiner Arbeit am Collège Protestant, betreue ich auch ein Alphabetisierungsprojekt mit. Das Ganze umfasst eine Frauengruppe von fuenf bis zehn Teilnehmerinnen jedes Alters, die weder richtig lesen, noch schreiben koennen. Frauengruppe deshalb, da das Problm Analphabetismus , wie in allen Entwicklungslaendern vor allem das (personifizierte) weibliche Geschlecht betrifft. Das Wissensniveau der Frauen ist dabei recht unterschiedlich. Einige kommen aus Ghana und koennen deshalb einfach nur kein Franzoesisch, andere haben aber tatsaechlich 60 Jahre ihres Lebes keinen Stift in der Hand gehalten. Ich arbeite zumeist mit einer etwas aelteren Frau zusammen, bei der Letzteres der Fall ist. Dabei freue ich mich immer wieder ueber die ganz kleinen Erfolge, z.B. dass sie nach einem Monat einigermassen “u” und “i” schreiben kann.
Das Projekt findet uebrigens zweimal in der Woche in einer bapstistischen Kirche statt und wird neben weiteren Freiwilligen noch von einem festangestelltem Lehrer betreut, der hauptsaechlich Uebersetzungsarbeit leistet. (Ewe – Franzoesisch)
Demnaechst soll dann auch endlich ein Projekt zur Sensibilisierung fuer das Problem AIDS wiederbelebt werden. Dabei wuerden wir in verschiede Doerfer fahren und dort traditionelle Tanzwettbewerbe durchfuehren. In den Pausen soll dann die noetige Aufklaerungsarbeit geleistet weren. Zur Realisierung hierfuer fehlen allerdings noch die notwendigen finanziellen Mittel.
Ab und zu arbeite ich hie auch mit einem Mann von Amnesty International zusammen. Er wird auch “l’ homme d’EKU” genannt, da er mit Vorliebe das hier erhaeltliche, bayrische Exportbier EKU konsumiert. Der ist nicht nur ein sehr lustiger Mensch, sondern hat auch von vielen Dingen viel Ahnung. Er war beispielsweise schon 17 Mal in Europa und weiss daher ganz gut zwischen Wunschdenken und Realitaeten zu unterscheiden. Im Allgemeinem ist die Vorstellung ja sehr verbreitet, dass es sich in Europa und Nordamerika wie im Paradies lebt – nicht so aber die Meinung vieler derjenigen, die schon einmal da waren: Hinreisen und neue Erfahrungen sammeln – ja. Dort leben – nein. Der besagte Amnesty International Mann schaetzt dabei vor allem die Freiheit, die er in Togo hat. Was er so genau damit meint, konnte er mir nicht wirklich erklaeren, mit der Zeit kann ich aber immer mehr nachvollziehen, was er damit vielleicht andeuten wollte. Eine Sache, die wie die vielen schoenen Dinge hier, recht schwer zu beschreiben ist. Da spielt das subjektive Aktiverlebthaben glaube ich eine immens grosse Rolle. (Weshalb ich euch alle dazu ermuntern moechte, euch das mit dem Besuch nicht nur zu ueberlegen, sondern diesen Gedanken dann auch in die Tat umzusetzen J)
L’ Homme d’ EKU ist gleichzeitig uebrigens auch Direktor einer (Privat-)Schule und der richtige Ansprechpartner, wenn es um das Problem Kinderschlagen geht. Dies wird naemlich in den hiesigen Grundschulen noch aktiv praktiziert, wurde allerdings letztes Jahr gesetzlich verboten. Natuerlich muss man dabei beachten, dass diese Art von Gewalt fuer die LehrerInnen jahre- und jahrzehntelang gaengige Erzehungsmethode war, ja besser gesagt, zum zweckdienenden Alltag gehoerte. Von heute auf morgen hat sich das in Deutschland nach 68 bestimmt auch nicht geaendert.
Ich arbeite ja nun selbst in keiner Grundschule, andere Freiwillige, bei denen das der Fall ist, fiel es allerdings sehr schwer, dem sich taeglich darbietendenden Geschehen untaetig zuzusehen: Dabei sind Kiner der reinen Willkuergewalt ihrer ErzieherInnen ausgesetzt. Und Geschlagen wird auch fuer Nichtigkeiten, wie “Zuleisesprechen” oder “Ungeradesitzen”. Inzwischen wurde von unserer Seite aus mit etlichen LehrerInnen ueber das leidliche Thema gesprochen und diskutiert, teilweise Loesungsansaetze gefunden.
Ganz offiziel gab es sogar schon Faelle, bei denen SchuelerInnen ihre Lehrerinnen und Lehrer vor Gericht verklagt haben und Recht bekamen. Das kann sich hier aber selbstverstaendlicherweise kaum jemand leisten und bei den Kindern zu Hause existiert das Problem zumeist auch permanent weiter. …ein klassischer Fall von Vernunft durch Nachdenken und der entsprechenden Umsetzung durch Selbsthandlung. Aber das wird in Togo wohl noch eine Weile dauern…

Ich moechte nun wieder einmal auf die kleinen und goesseren Probleme des Alltags zurueckkommen. Kleinere Probleme bereitet mir da z. B. das Essen mit der Hand . (auf keinen Fall mit beiden Haenden, denn mit der linken Hand zu Essen ist hier fast schon verpoehnt)
Nun stellt euch das mal ja nicht so leicht vor! Die traditionellen Speisern, wie Fufu und Pate weren immer ohne Besteck gegessen und je nach Belieben und Alter der Person, auch alles andere. Das ist zumindest bei meiner Gastfamilie so. Fufu und Pate koennen von der Konsistenz her vielleicht mit klebrigen, rohem Teig verglichen werden und sind geschmacklich irgendwo zwischen “Nichts” und “Unbeschreiblich” angesiedelt. Beides kann man folglich ganz gut mit der Hand essen. Aber bei sowas, wie z.B. Reis wird die ganze Angelegenheit schon schwieriger. Bisher landete bei mir jedenfalls immer mindestens ein Drittel der Speise nicht dort, wo sie eigentlich hin sollte.
Ich habe es nie getan und werde es jetzt aus eigener Erfahrung heraus in Zukunft erst recht nie tun:
Das Esen mit der Hand als primitiv ansehen. – Denn es ist teilweise tatsaechlich eine Kunst. J

Mit den Klischees ist das sowieso so eine Sache. An vielen ist sehr viel dran, an anderen nur bedingt etwas und an zahlreichen auch rein gar nichts. Obwohl die oben zitierte Zeitdefinition den Kern der Praxis recht gut trifft, wird meiner Erfahrung nach von dir selbst zumeist minutengenaue Puenktlichkeit erwartet.
Ein weiteres Beispiel: Ein Mitglied von Campage des Hommes (Richard, der auch mehrere Freiwillige beherbergt ) hat schon vor knapp drei Jahren verkuendet, dass er umziehen moechte. Vor ein paar Tagen realisierte er das dann von heute auf Morgen – samt den etwas verdutzten und ueberrumpelten MitbewohnerInnen, die die erneute Ankuendigung des Ereignisses natuerlich nicht allzu ernst genommen haben. Fuer scheinbare Nichtigkeiten, wird dann aber wiederrum jegliches Zeitgefuehl ueber den Haufen geworfen: So suchte ich einst das neue Haus von Richard, von dessen Befinden ich nur eine sehr sporadische Beschreibug besass. Also habe ich nun einfach einen jungen Mann auf der Strasse gefragt, wo sich denn das Haus mit den vielen Yovos befindet. Der war zwar eigentlich auf dem Weg zur Arbeit, sich aber trotzdem nicht zu schade, mit mir das gesamte Viertel abzuklappern. Seitdem kenne ich nun so ziemlich alle Hell- und Hellerhaeutigen von Kpalimé … das gesuchte Haus konnten wir leider nicht ausmachen.
Zeitprobleme werden hier also eher als nichtig gewertet. Auf gaenzliches Unverstaendnis tifft man hier aber, wenn man ein bischen von Religion und Religioesitaet in Deutschland berichtet. Da gibt es ja die grosse Gruppe der AtheistInnen – die glauben an Gar nichts. Weiterhin insbesondere Menschen aelterer Generationen, fuer die ihre Religion, den mit Abstand bedeutungsschwersten Lebensinshaltspunkt darstellt, bishin zu FundamentalistInnen, die ihre Religion ueber alles andere stellen und damit Mitmenschen ganz automatisch an der freien Entfaltung ihrer Persoenlichkeit hindern. …und letztendlich ja auch noch die grosse Kategorie Menschen, die sich traditions- und herkunftsbedingt zwar einer bestimmten Religionsgemeinschaft zugehoerig fuehlen, Mittel jedoch vom Zweck trennen und am Sonntagmorgen lieber ausschlafen. So, dass war nun also meine kleine, pauschale Einschaetzung zum Thema Religion und Religioesitaet in Deutschland. J
Dasselbe fuer Togo in dieser Form hinzubekommen, gestaltet sich schon als ein ganzes Stueck schwieriger. Beginnen moechte ich aber mit folgender Grundfeststellung: Noch nie zuvor habe ich in meinem gesamten Alltagsleben so viel religioese Intensitaet zu spueren bekommen. Da waere zB. Die Fahrschule mit dem Titel “Weil Gott selbst dich iebt” zu nennen, Frisoerinnen und gleichzeitig Nachbarinnen die den ganzen Tag lautstark Jesusmusik aufdrehen, junge Leute, die jeden Tag um sechs Uhr Morgens den Gottesdienst besuchen, sowie ueberall entsprechende Bildnisse, Stoffe, Zeitschriften…
Weiterhin sollten aber auch weder die Fetischhaendlerinnen auf dem Markt, noch der Umstand, dass man Freitags dann doch sehr aufpassen muss, nicht ueber die zahlreichen mit Menschen besetzten Gebetsteppiche auf den Strassen zu stolpern, unerwaehnt bleiben.

Nach ueber zwei Monaten hier im schoenen Togo, meine ich wirklich von mir behaupten zu koennen, mich ganz gut eingelebt zu haben. Mit meiner Familie verstehe ich mich richtig gut, im Besonderen mit meinen kleinen Gastgeschwistern. Da ist jetzt uebrigens noch ein zwoelfjehriger Junge (Edem) hinzugekommen. Wie das funktioniert, erklaere ich ein anderes Mal.
Ich habe mich sowohl im Kochen, als auch im Fufustampfen geuebt, weisse Wuermer und Fliegen auf dem Klo stoeren mich auch nicht mehr so. Man nimmt einfach auch eine Vielzahl von Dingen mit Humor – alte Selbstverstaendlichkeiten werden zu Besonderheiten. Irgendwann gibt man dann eben mal ein bisschen mehr Geld fuer eine Pizza ode ein Kaesesandwich aus und das reicht dann aber auch wieder fuer eine ganze Weile. Fufu und Pate schmecken von Mal zu Mal immer leckerer und meine Gastmutti freut sich immer ganz besonders, wenn ich meine ganze Portion aufesse. Das ist dann wirklich nicht gerade wenig und ich sollte mich vielleicht nicht wundern, wenn ich dann nach Deutschland mit der Gewichtsklasse meiner aelteren Gastschwester, oder gar meiner Gastmutter zurueckkehre. Auf der ueblichen Kohlegrillkochgelegenheit habe ich mich beispielsweise auch in der Zubereitung von Bananeneierkuchen versucht. Da ich ja noch nie so eine grosse Kochkuenstlerin war, fand ich das Ergebnis dann auch recht zufriedenstellend. Und geschmeckt hat es schliesslich auch allen!
Obwohl oft davon geredet wird, dass es frueher einmal mehr Moeglichkeiten gab, fehlt es in Kpalimé auch nicht an Abendunterhaltung. Man besucht dann eben oft eine der zahlreichen Bars. Fuer den Fall, dass gerade kein Stromausfall ist, kann man sich dort allerdings kaum unterhalten, da die Musik stets super laut ist. Gleiches gilt fuer das “Foyer des Jeunes”, wo oefters einmal verschiedene Feierlichkeiten und Konzerte stattfinden. So war ich dann z.B. bei der Party einer Zigarettenfirma (was fuer eine Gehirnwaesche!) und beim Konzert des tollsten Rappers von Togo (BLINK, BLINK ;-)).
Weiterhin sind auch die zahlreichen Ausfluege, die teilweise von den Leuten von CDH organisiert weren, erwaehnenswert. Neben Wasserfaellen, Bergen, Doerfern und schoenen Landschaften, mussten wir natuerlich auch gleich als erstes den “deutschen Friedhof” besuchen. Irgendwo in der Einoede, nicht sehr weit von Kpalimé, liegen naemlich um die fuenf Kolonialbeamte begraben. Des weiteren sieht man ein paar Haeuserruinen – naterlich von den Deutschen errichtet. Sollte man vielen Leuten hier in jedem Fall Glauben schenken, haben die Deutschen sowieso alles errichtet, was (noch) bis heute schoen und toll ist: Gebaeude, Strassen, Baeume…-da ist echt alles dabei. Ich haette wirklich nie vermutet, dass ich mal in einem Land landen wuerde, wo so viele Leute in regelrechte Begeisterungsstuerme ausbrechen, wenn man sich als deutsch outet.
Zumindest prinzipiell. Eines Tages begegnete ich naemlich in einer Bar auch einem aelteren Herrn, der ganz fuerchterlich zu schimpfen begann und meinte, dass er ja nicht mehr mit Deutschen reden wuerde, seit sie 1914 das Land verlassen haben. Er redete dann trotzdem weiter auf mich ein und lud mich schliesslich zu sich nach Hause zum Essen ein. Es musste ja schliesslich auch noch einges ausdiskutiert werden…z.B. seine Meinung, dass die Deutschen den Zweiten Zeltkrieg haetten gewinnen muessen. Auf meine zweifelnde Frage, ob er denn wirklich den Zweiten meint antwortete er dann nur: “Ja, na den mit Hitler!”
Meine EWE-Sprachlehrer André weiss da auch immer lustige Geschichten zu erzaehlen. Geschichte kann ja so einfach sein: Frueher lag der gewoehnliche Togolese naemlich immer nur faul im Schatten eines Baumes rum. Doch dann kamen die Deutschen mit ihrer Peitsche, die sie dann auch entsprechend einsetzten: “Eins zwei, drei, vier, fuenf, sechs, sieben, acht, neun, zehn Peitschenhibe…UND EINEN FUER DEN KAISER!” Tja, und dann begannen sie zu arbeiten. Und André findet die Geschichte mit den Deutschen und der Peitsche natuerlich ganz toll.
André koennte mzn in mancher Hinsicht sowieso als das, was man gemeinhin unter einem “Klischeeafrikaner” versteht, bezeichnen. Der will spaeter auch mal nach Europa, weil es dort ja “Arbeit en masse” gibt. Wenn man ihm dann erklaert, dass das Phaenonem Arbeitslosigkeit auch alles andere als zu unterschaetzen ist, meint er nur, dass er ja die Arbeit verrichten koennte, die der/die EuropqerIn nicht machen will, wie z.B. Waeschewaschen. Ueber die Erklaerung, dass es dafuer aber Maschinen gibt, war er dann schon etwas enttaeuscht. Und auf dem Moment, an dem ich ihn in zehn Jahren als Kloputzer bei Mc Donalds treffen werde, kann ich gut und gerne verzichten. Und das gerade weil ich ihn schon ganz gern habe…

Wo gerade von Deutschen die Rede ist…
Nun wohne ich ja tatsaechlich direkt neben dem tollsten Hotel der Stadt. Das verfuegt zwar auch nur ueber drei Sterne, ist aber mit grossem Schwimmbad, Vollklimatisierung und Dauerbeleuchtung (in Kpalimé faellt oefters mal der Srom aus und dann ist es ueberall stockdunkel) ganz gut ausgestattet. Ich sitze dann abends oft mit meinen Gastgeschwistern vor meinem Haus und beobachte, wer da so ein- und auskehrt. Prinzipiell uebernachten dort nur irgendwelche KonferenzteilnehmerInnen oder Hilfsorganisationsmenschen (um also die Namen derer zu nennen, an die ich garantiert nie spenden werdeJ: Plan, PSI, Rotes Kreuz und verschiedene UN-Unterorganisationen), manchmal aber auch TouristInnen. So auch eine japanische Reisegruppe und ein deutsches Ehepaar. Auf die japanisch Reisegruppe moechte ich jetzt nicht naeher eingehen, da reichen dann wohl schon die Stichwoerter “Fotoapperat”, “Touri-Hut” und “Staendiges Sich-Luft-Faecheln”, auf das deutsche Ehepaar aber schon: Der Mann (geschaetztes Alter 40) ist, politisch korrekt ausgedrueckt, Deutscher mit togolesischem Migrationshintergrund. Also gebohren im schoenen Togo, wie sich spaeter noch herausstellen sollte, im Geiste aber schon sehr weit entfernt von seiner Heimat. Mit seiner Ehefrau im Gepaeck ist er dann also auf Verwandtschaftsbesuch aufgebrochen und beide verbrachten sie vor der Weiterreise nach Ghana, eine Nacht in Kpalimé. Sie freuten sich natuerlich beide ungemein ueber meine deutsche Staatsangehoerigkeit und gesellten sich zu mir auf die Bank vor meinem Haus. Das Gespraech nahm dann auch schon bald seinen amuesanten Verlauf, in dem beide bekundeten, dass sie aus Hannover stammen und man ja ueberraschenderweise gar nicht hoeren wuerde, dass ich “aus der DDR…aehhhh….Ostdeutschland” kommen wuerde.
Naja, dann wurde sich eben so ueber allgemeine Dinge ausgetauscht, d.h., was ich denn hier so treiben wuerde, was mich dazu bewegt hat, usw., usw. Das Uebliche eben.
Irgendwann ebbte das Gespraech dann ab, man schwieg fuer eine Weile und ging seinen eigenen Gedanken nach. Der Mann war dann schliesslich der Meinung, dieses Schweigen brechen zu muessen und stellte mit angewiederter Miene fest: “Hach, hier stinkt es aber ganz schoen!” Und danach begannen sich beide auch sogleich ueber alles Moegliche zu ereifern. Getreu dem Motto: “Und ueberall diese schrecklich laute Musik (!) … und dann urinieren die Leute auch noch wo und wann immer sie wollen(!) …”
Mein innerliches Grinsen vebreiterte sich immer mehr und ich konnte es dann natuerlich auch nicht ablehnen, mich von ihnen auf etwas zu Trinken einladen zu lassen.
Ja, also sassen wir dann in einer Bar und die Kellnerin kam mit den Getraenken. Die erste Reaktion des maennlichen Hannoveraners (die Frau redete uebrigens nicht so sehr viel), war es, die mitservierten Glaeser abzulehnen und fuer alle Anwesenden Strohhalme zu bestellen. Ich muss ihn daraufhin wohl etwas verdutzt angesehen haben, jedenfalls sah er sich auch sogleich zu einer Erklaerung genoetigt: “Also wir trinken ja hier nie aus Glaesern. Da sind ja schliesslich immer so viele Keime und Bakterien dran…(!)”
Tja, ich meine, natuerlich werden die Glaeser nach jeder Benutzung einmal durchs kalte Wasser gezogen und dann wars das…aber so genau (inklusive fallspezifischer Reaktion) hatte ich da bis jetzt eigentlich noch nicht nachgedacht. J
Abends lag ich dann noch lange, nachdenklich laechelnd unter meinem Moskitonetz und stellte mir die Frage, wie viele der Daheimgeblieben und immer Daheimbleibenden wohl genauso reagieren wuerden. Die Minderheit waere es es bestimmt nicht…

Ein bisschen verrueckt sein muss man warsheinlich schon, um fuer laengere Zeit in Afrika zu leben. Ich habe hier wirklich extrem viel Spass. Es gibt natuerlich auch Dinge, die ganz schoen nervig sind, wie z.B. das uebliche lautstarke Austragen von Steitigkeitkeiten ueber total bannale Dinge. Andere Sachen werden fast zu Selbstverstaendlichkeiten, obwohl sie einem normalerweise so seltsam anmuten wuerden. Ja, man gewoehnt sich sogar an Internetvebindungen im Schneckentempo und Verrueckte auf der Strasse. Diesmal meine ich die tatsaechlich geistig Beeintraechtigten, die hier zumeist ein Dasein auf der Strasse fristen. Da gibt es z.B. den Einen, der immer voellig unbekleidet die grosse Strasen entlangjoggt, oder den Anderen, der einem immer wieder mit den selben Geschichten zutextet. Er ist naemlich seiner Meinung nach ein enger Freund des Praesidenten und hat bereits elf weisse Frauen., ist aber immer offen fuer weitere. Darauf erwiedere ich dann meist, dass mir meine vierzehn schwarzen Maenner zu Hause eigentlich schon reichen. Man nimmt es also mit Humor. Interessant finde ich ausserdem die Tatsache, dass diese Menschen der Strasse stets ungewoehnlich alt werden. Sie bekommen von den anderen Leuten immer mal was zu Essen zugesteckt, kommen aber selbstverstaendlich auch mit allerhand Dreck und Bakterien in Beruehrung. Daraus erfolgt dann eine recht wirksame Resistenz gegen zahlreiche Krankheiten.
Der Alltag auf der Strasse ist sowieso eine der grundsaetzlichsten Unterschiedlichkeiten. Mit Anonymitaet ist da nicht viel. Und das erst recht nicht als Yovo. So ein bisschen EWE kann ich ja jetzt zum Glueck auch schon. Aber wirklich nur ein bisschen, denn EWE baut sich auf Lauten auf, die fuer das ungeschulte Ohr irgendwie alle gleich klingen. Ausserdem versucht mir auch jedeR hier die Sprache moeglichst perfektionistisch beizubringen, was bis zuletzt aber nur wenig erfolgreich war. Naja, meine Familie wird mir auch weiterhin versuchen, mir zunaechst alles auf EWE mitzuteilen und fuer die grundlegenden Begruessungsfloskeln reichen meine Sprachkenntnisse jetzt allemal. Mann kennt inzwischen das farbliche Gegenstueck zu Yovo (WeisseR) und kann dann auf die ueblichen Sprechgesaenge entsprechend antworten. Wer jetzt allerdings denkt, dass ich mich hier in Togo zu einer aktiv praktizierenden Rassistin entwickelt habe, der irrt sich ganz gewaltig, denn beide Betroffenen haben stets ihren Spass daran. Ich frage mich allerdings auch manchmal, wie es waere, wenn ich in Deutschland auf offener Strasse jemanden hinterherhuepfen und dabei “Schwarzer, Schwarzer” rufen wuerde. Warscheinlich waere zwei Minuten spaeter das Verfassungsschutzauto da. Der betroffene Mensch schwarzer Hautfarbe wuerde das ja aber vielleicht gar nicht so sehr schlimm finden. Vielmehr teffen ihn oder sie sicherlich die uebliche, gekonnte Ignoranz, anonymes Vorbeihasten und eiskalte Vernichtungsblicke. Aber das war nur so ein Gedanke von mir.

Der Teil ueber die seltsamen Verhaltensweisen togoischer (diesmal grammatikalisch richtig geschrieben) Maenner darf natuerlich auch diesmal nicht fehlen. An Heiratsantraege gewoehnt man sich. Das koennen dann auch manchmal mehrere am Tag sein. Aber das ist eigentlich weniger nervig, eher lustig…und regt zu phantasievollen Ausfuehrungen ueber einen vermeintlichen Ehemann und dazugehoerige Kinder in Deutschland an. Besonders schlimm sind meiner Meinung nach die Maenner aus Lomé. Ich war ja auch eigentlich mal der Meinung, dass ich vor Menschen, die mich unbedingt ueberzeugen wollen, mir ein Handy anzuschaffen, hier in Togo meine Ruhe haette. Falsch gedacht. Zwei Maenner wollten mi hier schon ein Handy schenken, was ich aber stets energisch abgelehnt habe. Hier in Togo mein Handyboykott zu brechen, waere ja auch extrem seltsam, oder? ;-)
Statt dem Handy kammen dann Aepfel, Weintrauben, Ketten, Armbaender, Haarspangen und Suessigkeiten. Treffende Beispiele fuer zwei togolesische Gesellschaftstheorien:
1. Man(n) muss um eine Frau kaempfen. (und wenn sie schon einmal “Nein” gesagt hat, macht sie das ja fast noch attraktiver, da sie folglich nicht Jeden nimmt)
2. Der Mann ist fuer die materielle Versorgug der Frau zustendig. (sprich: Der Mann zahlt fuer Vergnuegen, Haarfrisur oder Kleidung.)
Ich kann mich deshalb mit solchen Geschenken nicht wirklich gut anfreunden, auch mit dem Wissen, das die Leute hier zumeist sowieso so wenig haben.
Ein weiteres lustiges Erlebnis war das ploetzliche Erscheinen eines Verwandshaftsmitgliedes in meinem Zimmer. Sein einziges Anliegen war, ob ich nicht einmal mit ihm schlafen wuerde. Diese Frage und noch viele mehr, lassen uebrigens auch verheiratete Maenner von sich hoeren. Die gesetzlich erlaubte Polygamie laesst gruessen.
Das groesste Problem stellt fuer mich aber immernoch die Verhaltensweise derjenigen Togolesen dar, mit denen man schon ein relativ gutes Freundschaftsverhaeltnis aufgebaut zu haben meint und die dir eines Tages schliesslich, fast wie selbstverstaendlich, ihre Liebe gestehen. Wenn so zwei voellig unterschiedliche Definitionen von Liebe aufeinandertreffen, muss das Resultat ja automatisch fuer mindestens eineN DefiniererIn Enttaeuschung sein…

Ich habe mit einem kleinen Krankheitsbericht begonnen und schliesse auch mit derselben Art von Negativerlebnis. Diesmal allerdings etwas anderer Art, aber lest selbst:
Der Schock sass tief. Ich ass eines Abends meine warme Mahlzeit und biss auf einmal auf etwas Hartes. ..
Es war auch leider weder ein Stueck Knochen, noch ein Gewuerz. – Nein, es eine Zahnfuellung. Naemlich die, die ich mir mittels nicht unerblichen finanziellem Aufwand , etwa zwei Monate vor meiner Abreise, von der deutschen Zahnaerztin meines Vertrauens, habe einsetzen lassen. Ich hatte ja inzwischen schon mit jedem moeglichen Krankheitsbefund gerechnet, den sobaldigen Besuch eines Zahnarztes aber alles andere als in Erwaegung gezogen. In der Nacht vor dem unfreiwilligen Besuch traeumte ich also von irgenswelchen Riesenbohrmaschienen und malte mir sonstige Horrorszenarien aus. Es sollte nur halb so schlimm kommen…
Der Zahnarzt ist, wie fast alle AerztInnen hier, im grossen Krankenhaus zu finden, was ich dann auch sogleich sechs Uhr in der Fruehe aufsuchte. Den dort zu finden, erwies sich allerdings als nicht ganz so einfach. Bei meinem eigentlich ungewolltem Krankenhausrundgang konnte ich somit aber z.B. auch gleich eine togoische Entbindungsstation und andere interessante Dinge kennenlernen.
Beim Zanarzt selber war es dann auch recht lustig. Einrichtungsmaessig fuehlte ich mich so ein bisschen, wie beim DDR-Zahnarzt – obwohl ich den ja selbst nie besucht habe. Ausgestattet war das Behandlungszimer jedenfalls mit schoenen alten Siemens-Geraetschaften. (was jetzt ja wieder extrem gegen den DDR-Zahnarzt spricht J) Saemtliche ZahnarzthelferInnen wollten auch sogleich meine FreundInnen werden, es erfolgte der obligatorische Telefonnummernaustausch…und danach wurde gebohrt. Bis auf die Tatsache, dass mir staendig ohne Betaeubung am Nerv rumgebohrt wurde , verlief die Behandlung eigentlich recht angenehm – leider hatte der Zahnarzt den Zahn aber am Ende nicht richtig abgeschliffen. Das merkte ich aber auch erst im Nachhinein. – Und am naechsten Tag war die Fuellung dann wieder draussen.
Also musste ich wieder hin: Selbe Prozedur, diesmal mit einem Mehr an Aufmerksamkeit beiderSeiten … und ich besass nun (hoffentlich) endgueltig meine togolesische Amalganfuellung.

Und sonst?
Irgendwann stellte ich fest, dass mein Alltagsleben noch nie so viel Kontinuitaet besass, wie hier in Togo. Und das selbst am Wochenende, also an den zwei Tagen der Woche, an denen ich eigentlich nicht arbeite. Um sechs Uhr stehe ich auf, treibe Sport, Dusche mich danach und fruehstuecke, gehe dann auf den Markt, wasche etwas spaeter meine Waesche, esse zu Mittag, halte Mittagsruhe, gebe meinen Blinden Nachhilfe, esse zu Abend und gestalte dann meine Samstagnacht. Der Sonntagvormittag ist dann auch schon wieder durch drei Stunden Gottesdienst ausgefuellt.
Aber Kontinuitaet hin oder her, eines koennt ihr euch trotzdem sicher sein: Erleben tue ich hier mehr als genug! J

Da ich jetzt wirklich zum Schluss komme, mit meinem Erlebnisbericht aber eigentlich noch lange nicht fertig bin, koennt ihr euch schonmal auf das naechste Lebenszeichen mit den folgenden thematishen Hoehepunkten freuen:

- Patriotismus pur am 3. Oktober.
- Verschleiert auf dem Ramadanfest.
- Eine Hochzeit auf dem Dorf.

Ja, gut, dann lade ich euch natuerlich auch alle ganz herzlich ein, mich mal hier zu besuchen. …Was jetzt natuerlich nicht unbedingt als eine Aufforderug zum Fliegen zu verstehen ist. ;-)
Denn wie ihr hoffentlich alle wisst: Ein Flug nach Teneriffa ist so klimaschaedlich, wie ein Jahr Autofahren. Und Togo ist ja nochmals ein ganzes Stueck von Teneriffa entfernt…

Also fuehlt euch alle belehrt, gegruesst und umarmt,
Eure Diana



Sparkasse Chemnitz
Ktn.: 4700072178
BLZ: 870500000

Campagne des Hommes
B.P. 558
Kpalimé

Telefon (zu Hause): (plus Billigvorwahl)
01056/00228/4410850
24.11.06 19:08


Verwandtschaft

24.11.06 19:28


Thanksgiving

Nun, ich komme wiedermal auf US-Amerikaner zurueck.
Mit denen habe ich naemlich gestern "Thanksgiving" gefeiert.
Also so richtig mit Federschmuck anlegen, leckeren Suesskram und komischen Ballspielen. Zum Glueck gab es keinen Truthahn. Dessen Importierung waere dann wohl doch etwas aufwaendig geworden.
Achja, und viel Alkhol gab es auch...

Ich habe mich dann heute morgen nach zwei Stunden Schlaf voellig verpeilt auf Arbeit gequaelt...und dann natuerlich den ganzen Nachmittag geschlafen.

Abschliessend moechte ich darauf hinweisen, dass mein Englisch zum Glueck noch nicht ganz so den Bach runtergegangen ist wie ich dachte und dass ich mich an diesem Abend das erste Mal so richtig ueberhaupt nicht in Afrika gefuehlt habe.

Spass hat die ganze Sache trotzdem gemacht.

God bless America...
eure Diana
24.11.06 19:37


Bankgeheimnisse

Freitagnachmittag.
Es ist heiss, ich bin muede, aber ich muss zur Bank - Geldabheben.
Auf halber Stecke treffe ich auf Sina und Stefan. Wir hetzen gemeinsam weiter. Die Sonne brennt.
Kurz vor Geschaeftsschluss kommen wir erschoepft an. Drinnen herrschen Kuhlschranktemperaturen. Diese Klimaanlage ist einfach nur schrecklich. Jedenfalls alles andere als angenehm.
Den richtigen Schalter schon fest im Blick, werde ich auf einmal von einem aelteren, fliessend deutsch sprechendem Mann aufgehalten:
"Entschuldigung ich stoehre Sie bestimmt. Aber wie heisst denn der Bundespraesident mit Vornamen? Den Nachnahmen kenne ich ja, Koehler. Aber den Nachnamen..."
"Aaaaeeehhh...Horst...", stammelte ich, ohne den Sinn meiner Worte in diesem Moment richtig zu verstehen.
"Dankeschoen. Einen schoenen Tag noch!" Der Mann dreht sich um und verlaesst schnellen Schrittes die Bank. Im naechsten Moment bin ich einfach nur baff. Im Uebernaechsten erfolgt sogleich der mentale Absturz: Scheisse, ich habe meinen Reisepass vergessen!

à la prochaine...
25.11.06 12:06





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