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Kartoffelbrei

Meinen Ouaga-Aufenthalt hatte ich mir im Vorfeld wirklich ziemlich anders vorgestellt. Angefangen mit der ermüdenden Suche nach einer relativ günstigen übernachtungsmöglichkeit, dann zumindest ansatzweise die Stadt erkunden, vielleicht ein Kinobesuch und letztendlich die Weitereise gen Westen. Aber was nicht sein sollte, sollte nicht sein: Am Busbahnhof von Ouaga angekommen, wurden ich und meine Busbekanntschaft im grossen Familien-Van von Frau und Kind abgeholt und nach Hause gefahren.
Mein erster Stadteindruck auf dieser Fahrt? Ich beschreibe ihn mit den Worten "Ordnung, Ruhe und Sauberkeit". Natürlich spreche ich hier nicht von einer deutschen Kleinstadt, bzw. von dem, was Leute darunter verstehen, die nie den afrikanischen Kontinent bereist haben - aber inzwischen kenne ich die Atmosphäre von Lomé, Accra und Coutonou. Dort ist es nicht so. Die Hauptstrassen sind breit und gut ausgebaut, es existieren viele Kreisverkehre und Ampeln. Und das Einzigartige an diesen Dingen ist: Die Leute halten sich auch daran. :-)
Die Strassen werden von Motorrädern, Fahrrädern und Autos befahren. Es gibt nicht viele Taxis (erst recht keine Moto-Taxis) und mit Helm fährt trotzdem niemand.
Man kann relativ leicht einen zentralen Stadtkern ausmachen, der von von der Existenz zahlreicher Regierungs-, Verwaltungs- und Botschaftsgebäuden geprägt ist.
Auch das Haus der Familie befand sich in relativ zentraler Innenstadtlage. Schon im Auto wurde mir so langsam klar, dass der Kulturschock, den ich für meine Deutschlandrückkehr eingeplant hatte, sich wohl teilweise schon vorverlegen würde. Ich meine, das Haus war nun bei Weitem keine protzige Villa (also nicht das, was ich bei meinem mehr oder weniger unfreiwilligen Besuch einer Togo-Prâsidentenbruder-Geburtstagsparty bewundern durfte), war aber mit gewisen Dingen ausgestattet, die ich seit napp einem Jahr nicht mehr gesehen habe; Dazu zählten u.a. eine Waschmaschine, zwei fette Kühl-/Gefrierschränke und eine Dusche samt dazugehörigem Schlauch und Kopf. Es gab dann ganz viel Tolles zu essen (Kartoffelbrei, richtige Butter, Milch, französisches Baguette...) und ich dUrfte in das Zimmer der Tochter einziehen.
Am Abend wurden dann Freunde der Familie besucht. übrigens auch so eine Burkina-Frankreich-Konstellation: Er - Arzt. Sie - Architektin. Der Zustand hres Hauses war nun von "Villa" nicht mehr weit entfernt, es gab wieder viel zu Essen...und alle mochten Sarkorzy. Ich war da dann lieber still, denn mein Togoaufenthalt hat sich nun wirklich nicht gerade positiv auf meinen weltpolitischen Wissensstand ausgewirkt.. Ich hätte natürlich auch die Argumente meiner kleinen Gastschwester Brigitte anbringen können, die nach dem Fernsehduell zwischen Nicolas und Ségolène meinte: "Natürlich bin ich für die Frau. Er ist ja schliesslich ein Mann...und ausserdem redet er zuviel."
Und irgendwie war dann irgendwann auch das Verhältnis konsumierten Alkohols nicht mehr so ganz gerecht: Die französische Gesellschaft begnügte sich mit einem Glas Wein - und ich wurde zu fast drei grossen Flaschen Bier genötigt. --> Ich sei ja schliesslich Deutsche. Naja, in jener Nacht schlief ich jedenfalls so gut, wie schon lange nicht mehr...
18.7.07 18:50
 


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